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“Was man hat, hat man!”
Das schrieb die Augsburger Allgemeine zu dem Stück.
Mit Brecht in der Theaterküche Eigenproduktion der Reischleschen Wirtschaftsschule im Rahmen des Literaturfestes
(juni). “Man nehme einen Teil Shakespeare, einen Teil Voltaire und einen Teil Kleist, mische es und füge noch eine Prise eigene Gedanken hinzu.” So lautet das Rezept der Theaterwerkstatt der Reischleschen Wirtschaftsschule für ihr neues Stück “Was man hat, hat man”. Wie Bertolt Brecht mit seinen “Die Rundköpfe und die Spitzköpfe” hat der Leiter Werner Kruse mit den Schülern eine eigene, spannende Mischung dreier klassischer Werke erarbeitet, die zum Literatufest des Kulturbüros gehört. Tage und Jahreszeiten vergehen mit essen, trinken, lieben und schlafen, nichts passiert, aber alle sind zufrieden - denn “was man hat, hat man”. Mit jedem Satz füllt sich die Bühne mit Jugendlichen, alltäglich mit Jeans und Pulli bekleidet, die gleichgültig nach vorne starren. Da spaziert ein Mann in die Menge und reißt die Menschen mit der Ankündigung eines Spiels aus der Lethargie - doch niemand weiß, was ihnen bevorsteht. Der Mann verwandelt sich in Kaliba, der einem König helfen möchte, Bewegung in die eigentlich rundum zufriedenen Menschen seines Staates zu bringen. Dieser König ist eine schillernde Figur: In einem Einkaufswagen sitzend, bringt er seine Hofnärrin und Beraterin durch seinen falschen Gesang regelmäßig zur Verzweifelung. Im nächsten Moment philosophiert er über sein Volk, trifft Entscheidungen mit großer Tragweite und zeigt sich am Ende weiser als Kaliba. Bei diesen Figuren hat Kruse, Brecht folgend, Anleihen bei William Shakespears “Maß für Maß” genommen. Kaliba entpuppt sich als am wechselhaftesten. Überzeugend dargestellt von Leif Young, weckt er durch gnadenlos ausgespielte Macht und Erniedrigungen zunächst Ablehnung, um später mit nachvollziehbaren moralischen Wunschvorstellungen Verständnis und Mitgefühl auszulösen. Weltfremde Forderungen machen ihn ebenso rasch zu einer lächerlichen Figur. Des weiteren verwandelt er sich regelmäßig in einen Pianisten, der seine Mitspieler bei überzeugend über die Bühne gebrachten Gesangseinlagen professionell begleitet.
“Nur was man hat, hat man” Bei dem inszenierten Spiel geht es um Macht: Die Beteiligten werden in Arm und Reich, Gut und Böse, Herrscher und Beherrschte eingeteilt. Im Blickfeld stehen Machtmissbrauch sowie Erpressbarkeit. Doch wie zu Beginn des Stückes verdeutlicht, ist ohne Essen und Trinken keine Moral möglich. Denn nur “was man hat, hat man”. Kunstvoll werden philosophische Elemente aus Voltaires “Jean Callas” und Heinrich Kleists “Michael Kohlhaas” in das Stück eingeflochten. Die Übergänge erscheinen nahtlos und natürlich, manchmal wie ein Stück im Stück. Die Schauspieler verkörpern ihre Rollen mit Glaubwürdigkeit, es ist ein Genuss, ihnen bei der Inszenierung zuzusehen.
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